Chancen des Mittelstandes in Zeiten von globalen Krisen

Wird der deutsche Mittelstand zum Verlierer der Pandemie-Ära? Nach der globalen Krise folgen jetzt auch noch Lieferengpässe und Energieknappheit. Oder ist jetzt die Chance gekommen, dass wir in Deutschland der Welt zeigen, was es heißt innovativ und flexibel zu sein?

Um ehrlich zu sein, haben wir es der Welt sogar schon gezeigt: 2020 haben 93% der kleinen und mittelständischen Unternehmen laut einer „Umfrage des Deutschen Sparkassen & Giroverbandes“ trotz der Corona-Pandemie Gewinne gemacht. Woran liegt es, dass selbst in unsicheren Zeiten nur ein geringer Prozentsatz des Mittelstands Verluste macht?

Zum Einen ist der deutsche Mittelstand weltweit etwas Besonderes: Nirgendwo gibt es einen so hohen Anteil an Inhaber geführten Unternehmen wie bei uns. Das ist in diesen Zeiten ein großer Vorteil. Denn Inhaber entscheiden schneller, haben einen engen Bezug zu ihren Mitarbeitenden und ihrer Region und können aufgrund ihrer informellen Strukturen schneller reagieren.

Zum anderen spielt die generationsübergreifende Perspektive eine große Rolle. Familienunternehmer denken in Generationen, nicht in Quartalen. Das führt dazu, dass langfristig gedacht wird, aber auch kurzfristig reagiert werden kann.

Mittelständische Unternehmen sind der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft: Über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Mittelständler. Sie tragen rund 61 Prozent zur gesamten Netto-Wertschöpfung bei, stellen 55 Prozent der Arbeitsplätze bereit und beschäftigen 80 Prozent der Auszubildenden. Um mit ihren bewährten Spezialisierungs- und Nischenstrategien auch weiterhin erfolgreich auf internationalen Märkten zu agieren, muss der Mittelstand künftig verstärkt die Digitalisierung für sich nutzen und für qualifizierte Fachkräfte attraktiv sein. (Quelle: BMWK / Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz)

 

In einer Befragung des „Bundesverband der deutschen Industrie“ wurden über 400 Mittelstandsunternehmen zu den steigenden Energiekosten befragt. Und obwohl 88% der befragten Unternehmen eine starke oder existentielle Herausforderung in den Energiepreisen sehen, ist Andreas Martin (Vorstandsmitglied des BVR – Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken) positiv eingestellt: „Die robuste Bilanzqualität (von 2021) ist eine solide Ausgangslage für den Mittelstand. Sie stimmt mich optimistisch, dass die Unternehmen auch die zweite globale Krise in Folge am Ende gut meistern werden.“

Durch die ausgewogene Branchenstruktur, die zahlreichen regional verankerten Firmen und deren Innovationen hilft der Mittelstand bei der kontinuierlichen Modernisierung und Zukunftsfähigkeit des Landes. Als „German Mittelstand“ ist die deutsche Wirtschaft auch weit über die eigenen Grenzen hinaus bekannt für Qualität, zahlreiche Jobs und über 100 Jahre gewachsene Strukturen. Genau diese Faktoren – von Innovationen über gut funktionierende Systeme, hin zu den meisten Inhabergeführten Unternehmen weltweit – helfen dem Mittelstand auch in Krisenzeiten nicht nur zu bestehen, sondern sich stetig weiterzuentwickeln.